700 Jahre kirchliches Ehrenamt

Prälatin Gabriele Wulz (von links) und Pfarrer Gunther Wruck überreichen Ulrike Werthmann ihre Urkunde für 15 Jahre Ehrenamt. (Foto: Teresa Heinzelmann)

Evangelischer Kirchenbezirk verabschiedet Kirchengemeinderäte
Der evangelische Kirchenbezirk Biberach hat die Kirchengemeinderäte (KGR), die zu den Kirchenwahlen im Dezember nicht mehr angetreten waren, verabschiedet. Bevor im Martin-Luther-Gemeindehaus Urkunden für das Engagement im kirchlichen Ehrenamt überreicht wurden, trafen sich die KGR zu einem Gottesdienst mit Prälatin Gabriele Wulz in der Evangelischen Spitalkirche.

Die Prälatin nahm in ihrer Predigt Bezug auf Mose, der kurz vor dem Einzug des Volkes Israel in das gelobte Land sein oft störrisches und murrendes Volk noch einmal segnete. So mögen auch die jetzt ausscheidenden KGR nicht nostalgisch oder mit Blick auf manche Durststrecke auf ihre Zeit im Kirchengemeinderat zurückschauen, sondern mit Dankbarkeit und Hoffnung den Blick nach vorne richten

 

Pfarrer Gunther Wruck aus Ersingen, derzeit stellvertretend als Dekan tätig, hatte zusammengerechnet, dass die anwesenden Kirchengemeinderäte auf knapp 700 Jahre kirchliches Ehrenamt kamen. Rudolf Gerster aus Balzheim und Hans Schließer aus Wain waren jeweils 36 Jahre – und damit sechs Wahlperioden – dabei, Erwin Gering und Adelheid Olischläger engagierten sich mehr als drei Jahrzehnte ehrenamtlich für die Kirchengemeinde in Biberach.

 

Für Monika Schreiner, sechs Jahre KGR in Ummendorf, war es interessant, die Gemeinde zu „leiten und gestalten“. Zwei Projekte liegen ihr besonders am Herzen: das Begegnungscafé in Ummendorf, ein Treffpunkt für Geflüchtete und Einheimische, sowie das Repair-Café, das am letzten Samstag im Monat die Möglichkeit bietet, Gegenstände zur Reparatur auf Spendenbasis vorbeizubringen. Hinter dem Projekt steckt für sie auch der christliche Auftrag, Schöpfung und Umwelt zu bewahren, also Dinge lieber zu reparieren, anstatt sie wegzuwerfen. „Mir war es immer wichtig, über solche Projekte auch Menschen außerhalb der Kirche einzubeziehen“, erzählt Monika Schreiner.

 

Ulrike Werthmann, zwölf Jahre im Vorsitz des Biberach Gesamtkirchengemeinderats tätig, erzählt von den zum Teil schwierigen Prozessen, die in den vergangenen Jahren lange Diskussionen mit sich brachten: die Fusion dreier Kirchengemeinden zur Stadt-Kirchengemeinde, die Diskussionen um die Immobilien der Biberacher Gesamtkirchengemeinde, allen voran die Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Martin. Trotz auch stressiger Phasen schaut Ulrike Weltmann mit Freude auf ihre Zeit im Ehrenamt zurück, was vor allem an der Gemeinschaft im KGR liegt: „Ich hab ganz viele Menschen kennengelernt, die sich mit ihren vielseitigen Fähigkeiten eingesetzt haben.“

 

Ähnlich sieht es auch Witali Herzel, Kirchengemeinderat in der Stadt-Kirchengemeinde Biberach: Das Miteinander, die Erfahrung von Gemeinschaft ist das Schönste. „Ich habe eigentlich alles. Und darum will ich der Gesellschaft durch mein kirchliches Engagement auch wieder was zurückgeben“, begründet er seine Motivation, ehrenamtlich für die Kirche zu arbeiten. Rückblickend sei es ihm auch gelungen, etwas zurückzugeben. Und „weg vom Fenster“ sei er aufgrund der Verabschiedung noch lange nicht – auch weiterhin will er bei Veranstaltungen und Festen der Kirchengemeinde mithelfen.