Innovationen, die das Judentum geprägt haben

Joshua und Marlis Glaser vor ihren Werken im Atelier. (Foto: Judith Ezerex)

Der Europäische Tag der Jüdischen Kultur steht dieses Jahr im Zeichen der Innovationen.
Zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur (ETJK) am Sonntag, 1. September, öffnet Marlis Glaser um 15 Uhr die Ausstellungshalle in ihrem Atelier für Bildende Künste. Die Künstlerin lädt ein, diesen Tag mit Vorträgen, Musik und Bildender Kunst zu genießen, sich inspirieren zu lassen und sich auszutauschen.

In Kooperation mit dem Evangelischen Bildungswerk Oberschwaben (EBO) und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Ulm/Neu-Ulm, hat Marlis Glaser Künstler und Referenten eingeladen, sich mit dem diesjährigen Motto auseinanderzusetzen: „Innovationen in Wissenschaft, Philosophie, Ethik, Geschichte und Kultur im Judentum, insbesondere aus Texten der Tora und des Talmuds“.

Kunst und Gesang

Neben ihren beiden Söhnen Joshua Glaser und Samuel Fischer-Glaser ergänzt Marlies Poss, eine befreundete Künstlerin aus München, die Ausstellung. Nikola David, Tenor und Kantor, singt neue und traditionelle hebräische Lieder. Rabbiner Dr. Tom Kucera, promovierter Biochemiker, wird sowohl aus naturwissenschaftlicher Sicht Innovationen im Judentum als auch neue Erkenntnisse und Werte für die Menschheit aus der Tora darstellen und vertiefen.

Marlis Glaser hat sich dem Thema Innovationen auf zweifache Weise genähert. Einmal über den Aspekt der Gerechtigkeit, der biblisch bei Abraham zuerst auftauche. So habe sich die „Blutrache“ weiterentwickelt zu einem „Auge für Auge“ im Sinne von Verhältnismäßigkeit, um die soziale Balance zu erhalten. Zum zweiten über couragierte Menschen mit herausragenden Charaktereigenschaften und Ideen.

An der hohen weißen Wand hängen im Atelier die Porträts von Carl Lämmle, Filmpionier aus Laupheim, der den Starkult einführte, von Regina Jonas, erste Rabbinerin weltweit sowie der Frauenrechtlerin und Gründerin des jüdischen Frauenbunds, Bertha Pappenheim. Um die Ecke hängt eine Porträtzeichnung des gebürtigen Ulmers Albert Einstein. Der Naturwissenschaftler ergänzt die kleine Auswahl an starken Charakteren, die für neue Ideen, für fortschrittliches Denken stehen und exemplarisch das Motto des ETJK abbilden. Für ein Porträt hat Glaser noch Platz gelassen. Es ist noch im Werden. „Das Aufwendigste ist, sich mit den Personen auseinanderzusetzen, zu forschen und zu lesen“, sagt die Künstlerin, „und dann die Farben zu finden, die die Persönlichkeit am Besten treffen.“

In ihren Bildern stehen Wort und Form (Malerei und Linoldruck) manchmal fast gleichwertig nebeneinander. Was willkürlich wirken mag, sei komplett durchdacht, sagt sie. Die schriftlichen Elemente bilden mit der Form das große Ganze und doch ergeben die Worte alleine schon Sinn. Bibelzitate aus den Büchern Mose hätten schon vor dreieinhalbtausend Jahren auf das Gebot hingewiesen, die Tiere zu schützen. Aus dem Verbot, Tiere zu quälen, sei es für sie nur konsequent, vegan zu leben. Denn wie heute Fleisch produziert werde, sei Tierquälerei.

Thema Tierschutz im Fokus

Das Thema Umweltschutz und Tierschutz hat auch Joshua Glaser aufgegriffen und eine Holzskulptur mit dem Titel „Vegan“ geschaffen. Samuel Fischer-Glaser, Künstler aus München, hat sich mit dem ungarisch-amerikanischen Milliardär und Philanthropen George Soros beschäftigt, der zwanzig Kulturzentren für zeitgenössische Kunst in Osteuropa und auf dem Balkan eröffnete. Und Marlies Poss interpretiert die Thematik „Innovationen“ im Hinblick auf Mutationen, die das Ökosystem zerstören können.

Der Europäische Tag der Jüdischen Kultur 2019 mit dem Motto „Innovationen“ beginnt in Attenweiler in der Ausstellungshalle von Marlis Glaser, Biberacher Straße 19, am Sonntag, 1. September, um 15 Uhr mit Vortrag - Musik - Bildende Kunst, Eintritt 8 Euro. Die Kunstwerke sind ausgestellt vom 1. bis 15. September. donnerstags, freitags und sonntags, jeweils 15 bis 19 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung, Telefon 07357/2438, www.marlis-glaser.de