Mit gut 50 geladenen Gästen in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Biberach wurde Schuldekan Michael Pfeiffer im Gottesdienst am vergangenen Sonntagnachmittag in den Ruhestand verabschiedet.

Michael Pfeiffer wird nach fast 14 Jahren als evangelischer Schuldekan in Biberach verabschiedet

Es ist nicht nur leicht, loszulassen

 

Mit gut 50 geladenen Gästen in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Biberach wurde Schuldekan Michael Pfeiffer im Gottesdienst am vergangenen Sonntagnachmittag in den Ruhestand verabschiedet. Der in Mühlhausen in Thüringen geborene Theologe war nach Stationen im Pfarrdienst der württembergischen Landeskirche in Öhringen und Pfrondorf sowie als Studienleiter am Pfarrseminar der württembergischen Landeskirche in Birkach in den vergangenen knapp 14 Jahren im evangelischen Kirchenbezirk Biberach für alle Belange um den evangelischen Religionsunterricht in Grund-, Haupt-, (Werk)Realschulen und Gemeinschaftsschulen verantwortlich. 161 Schulen mit acht Außenstellen, 29 Pfarrerinnen und Pfarrer mit schulischem Auftrag, neun Religionspädagoinnen und -pädagogen, eine Diakonin und 170 staatliche Lehrkräfte gehören derzeit zum Arbeitsbereich des Biberacher Schuldekans. Darüber hinaus war Pfeiffer auch in der Mitverantwortung für die Bildungsarbeit im Evangelischen Bildungswerk Oberschwaben (EBO) engagiert.

 

„Rund um mich her ist alles Freude!“ Anlassgemäß begrüßte Dekan Matthias Krack zu Beginn mit Bezug zum Biberacher Schützensonntag, um dem Abschied feiernden Schuldekan die im Schützenlied von Justin Heinrich Knecht dem guten Schöpfergott zugesungene Dankbarkeit persönlich zuzusprechen. Am sommerlichen Sonntagnachmittag waren berufliche Weggefährtinnen und Weggefährten aus der evangelischen und katholischen Kirche, Freunde und Familienmitglieder nach Biberach gekommen, um mit einem festlichen Gottesdienst Schuldekan Michael Pfeiffer den roten Teppich zum Eintritt in den Ruhestand auszurollen.

 

In seiner Predigt zum Bibeltext aus dem Jesajabuch lies der scheidende Schuldekan noch einmal seine präzise Gabe der Übersetzung uralter Bildwelten in die gegenwärtige Lebenswelt aufscheinen. „So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43, 1). Sein persönliches Erleben machte der Prediger Michael Pfeiffer war in diesem Wort ebenso hörbar wie die Weite menschlicher Erfahrungen im heilenden Zuspruch Gottes. In allem, eingeschlossen Scheitern und Versagen, „bleibt das „Du bist mein!“

An seinem biblischen Lieblingswort entlang durchschritt Michael Pfeiffer noch einmal zugleich sein berufliches Wirken als Pfarrer, Seelsorger und zuletzt als Schuldekan: „Wie wünschte ich mir, dass Schülerinnen und Schüler aus ihrer Schulzeit auch die Erkenntnis mitnehmen könnten, dass da trotz aller Grausamkeit, Ungerechtigkeit, Unmenschlichkeit, Unbegreifbarkeit noch mehr ist. Wie wünschte ich mir, dass Kinder und Jugendliche, ja wir alle, dieses „Fürchte dich nicht!“ im Ohr – besser noch im Herzen – hätten. Es geht ja im Religionsunterricht nicht nur um Werte, sondern immer auch um Hoffnung und Mut.“ Ein Wunsch, nicht nur an Kirche, Schule und Gesellschaft, sondern dann wiederum auch für den künftigen Ruheständler ganz persönlich, „denn es ist nur leicht loszulassen.“ Prälatin Gabriele Wulz machte in ihrem Abschiedswort als Vertreterin der Stuttgarter Kirchenleitung mit einer Anspielung auf den Schuldekan Michael Pfeiffer eigenen Humor klar: Er sei „nicht Schuldekan forever“, auch wenn er ein „engagierter Vertreter der Spezies“ gewesen sei, der seine Spuren hinterlassen hat und dessen Zungenschlag in allen Begegnungen unverwechselbar gewesen sei. Dafür, so die Ulmer Prälatin, „gebührt ihnen Respekt und Dank.“

 

Im Anschluss an den musikalisch von Daniela Barth (Fagott) sowie Bezirkskantor Jürgen Berron und dem Biberacher Stadtkantor Ralf Klotz an der Orgel gestalteten Gottesdienst würdigten Vertreter des Oberkirchenrats aus Stuttgart, des evangelischen Kirchenbezirks und des staatlichen Schulamts den Weg und das Wirken Pfeiffers. Oberkirchenrat Dr. Norbert Lurz, Leiter des Dezernats Kirche und Bildung in der württembergischen Kirchenleitung, würdigte den Biberacher Schuldekan als „Fahnenträger des Religionsunterrichts“, der mit seiner prägenden Persönlichkeit und zugleich theologisch klarem Profil in Landeskirche und Kirchenbezirk ein innovativer Vermittler zwischen Schule, Gemeinde und Staat war. Dekan Matthias Krack und der Vorsitzende der Bezirkssynode, Oliver Nägele, bedankten sich als Vertreter des evangelischen Kirchenbezirks Biberach für die in den Begegnungen mit Schuldekan Pfeiffer immer spürbare „humorvolle Lust auf Bildung“, die er in seinem weiten Arbeitsbereich, aber auch darüber hinaus in den Gremien und vor allem in der Mitverantwortung für das Evangelische Bildungswerk Oberschwaben (EBO) gelebt habe. Achim Schwarz, leitender Schulamtsdirektor des Staatlichen Schulamts Biberach, sprach Michael Pfeiffer im Namen der Kollegen aus Markdorf und Albstadt den Dank von staatlicher Seite für sein Wirken aus. Mit Bezug zu seinem eigenen Ehrenamt als Organist verglich Schwarz das Wirken Pfeiffers als eine dem Orgelpunkt in der Kirchenmusik vergleichbare Stimme, die in ökumenischer Verbundenheit beider christlicher Konfessionen in den alltäglichen Fragen, „aber auch, wenn es um Krankheit, Tod und Ausweglosigkeit geht“ im schulischen Alltag unverzichtbar ist.

 

In seinem Schlusswort bedankte sich Schuldekan Michael Pfeiffer bei allen, die gekommen waren, um dann mit einem humorvollen „Aber nun raus mit euch allen!“ zu schließen. Versüßt wurde dieser „Rausschmiss“ durch ein Stück Schokolade; das hatte der „Opa“ Michael Pfeiffer mit seiner Enkelin Mathea schon vor Gottesdienstbeginn an jeden Platz auf den Kirchenbänken gelegt - eine kleine Entschädigung für den coronabedingt ausgefallenen Stehempfang.

 

Die Nachfolge auf der Stelle des Biberacher Schuldekanats soll nicht lange auf sich warten lassen. Die Stelle ist bereits wieder ausgeschrieben und soll nach Möglichkeit schon zum 1. November 2020 wiederbesetzt sein. In der Zwischenzeit übernehmen die Schuldekane Michael Holm und Frank Eberhardt in den Kirchenbezirken Blaubeuren/ Ulm und Ravensburg die schulischen Vertretungsaufgaben, Dekan Matthias Krack die Aufgaben im Bereich der Evangelischen Erwachsenbildung Oberschwaben.

 

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Es ist nicht nur leicht, loszulassen

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