Angekommen in der Wunschgemeinde

Muriel Sender beginnt als neue Pfarrerin in Ummendorf. (Foto: Andreas Spengler)

Muriel Sender beginnt ihre Arbeit als neue Pfarrerin in Ummendorf - Das sind ihre Pläne

Die evangelische Kirchengemeinde Ummendorf hat eine neue Pfarrerin: Muriel Sender ist die Nachfolgerin von Andrea Luiking und feiert am Sonntag, 11. Oktober, ihre Investitur. Die 34-Jährige hat auch bereits einige Ideen für ihre künftige Arbeitsstelle.
Sender hat bereits in vielen Kirchen Gottesdienst gehalten. Drei Jahre lang war sie als Pfarrerin zur Dienstaushilfe beim Dekan in Nürtingen tätig. Als Springerin musste sie auch im Vertretungsfall aushelfen. Zudem war sie für die Hochschulseelsorge tätig. Die Arbeit sei reizvoll gewesen, weil sie die Vielfalt der Gemeinden miterleben und viele Menschen kennenlernen durfte. Dennoch habe ihr etwas gefehlt: „Ich hatte ganz stark den Wunsch, eine eigene Gemeinde zu haben“, erzählt sie.

Dieser Wunsch geht nun in Ummendorf in Erfüllung. Seit 21. September lebt Sender bereits in der Gemeinde. Mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern ist sie in das Pfarrhaus eingezogen. Die Entscheidung für Ummendorf sei ganz bewusst gefallen, erzählt sie. Charmant finde sie die ländliche Gegend mit der Nähe zur Stadt, aber auch die Arbeit in katholisch geprägten Region. Aufgewachsen ist Sender in Münsingen auf der Schwäbischen Alb. Oberschwaben habe sie bislang aber kaum kennenlernen können. Das katholische Umfeld finde sie aber reizvoll. „Das Thema Ökumene ist mir sehr wichtig“, erzählt Sender. Sie habe selbst lange Zeit in einem katholischen Chor gesungen. Das sei zu einem „liebgewonnenen Teil“ ihres Glaubens geworden.

Auch bei anderen Themen vertritt die junge Pfarrerin eher progressive Ansichten. Das Engagement ihrer Vorgängerin für Ummendorf als Regenbogengemeinde wolle sie weiterführen. „Ich bin sehr für die Gleichheit aller Menschen vor Gott.“ Das soll auch in der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zum Ausdruck kommen, selbst wenn sich die Synode der Landeskirche bislang mehrheitlich noch dagegen ausspricht. „An der Basis aber entscheiden sich bereits nicht wenige Gemeinden für die Segnung“, sagt Sender. „Da sind wir auf einem guten Weg.“ Wichtig sei, jetzt nicht zu klagen oder die Haltung der Landeskirche nur zu bedauern. Stattdessen müssten die Menschen anpacken und entsprechend handeln. Und Sender geht sogar noch einen Schritt weiter: „Mein Wunsch ist, dass auch eine kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare möglich wird“, betont sie.

Abseits des Themas sieht sie aber viele weitere Aspekte ihrer Arbeit. Vor allem möchte die Pfarrerin künftig wieder Familien und Kinder in den Blick nehmen. Sie könne sich vorstellen, die Familienarbeit in der Gemeinde weiter zu stärken und zum Beispiel auch Gottesdienste für Kleinkinder und Familiennachmittage anzubieten. Auch ihre große Leidenschaft, die Musik, soll künftiger noch öfters Einzug halten.

Neben ihrem Theologiestudium in Tübingen und Leipzig hat Sender Musik studiert, mit dem Hauptfach Blockflöte. In den Räumen der Ummendorfer Kirche möchte sie daher auch in Zukunft „das eine oder andere Konzert“ geben und dafür auch befreundete Musiker einladen.

Bei allen Plänen und Ideen betont Sender aber auch: „Im ersten Jahr geht es zunächst vor allem darum, zu schauen, was wirklich gebraucht wird in der Gemeinde.“ Mit dem Kirchengemeinderat wolle sie eng zusammenarbeiten und gemeinsam „auf Augenhöhe“ agieren.

Offen sei sie für viele Themen. Nicht aus dem Blick verlieren dürfe man die bedürftigen Menschen, die ganz besonders unter der Corona-Krise leiden müssen. „Das können alte, kranke oder sozial schwache Menschen sein.“ Manchmal könne schon ein persönliches Gespräch oder ein Besuch Hilfe bewirken.

Bei allem Bedauern über die Krise, die Unsicherheiten, die Sorgen, erzählt Sender, habe ihr vor allem ein Spruch in den vergangenen Wochen und Monaten Mut gemacht: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht. Sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ Der Spruch stammt von Václav Havel, dem ehemaligen Staatspräsidenten Tschechiens. Er zeige, dass es wichtig ist, nicht nur auf das gute Ende zu setzen, sondern dass auch das Leben im Hier und Jetzt einen Sinn habe. Sender erzählt, dass auch sie manchmal eine Auszeit brauche. Die verbringt sie am liebsten bei einem Segelurlaub an der Ostsee. Dort könne sie eintauchen in einen „völlig neuen Rhythmus“.

Nun aber freue sie sich erst einmal auf den neuen Arbeitsalltag in Ummendorf: Selbst wenn die kommenden Gottesdienste kleiner ausfallen müssen, hofft Sender doch darauf, dass sie sich den Ummendorfern persönlich vorstellen kann und „dass die Leute auch mal auf mich zukommen“, wie sie sagt.

Ihrem neuen Amt als Pfarrerin begegne sie durchaus mit Respekt. Aber nicht nur: „Natürlich wiegt da auch die Freude mit und die Gespanntheit auf das, was kommt.“ Vor allem aber freue sie sich auf den Gestaltungsspielraum. „Man kann sich verwirklichen, natürlich ganz im Sinne des Evangeliums.“

Die Investitur von Pfarrerin Muriel Sender findet am Sonntag, 11. Oktober, um 10.30 Uhr voraussichtlich in der Kirche in Ummendorf statt. Aufgrund der Corona-Vorgaben sind hier allerdings nur 60 Gäste zugelassen.

Text / Foto von Andreas Spengler von der Schwäbischen Zeitung, Biberach