12.02.16

Evan­ge­li­scher Kir­chen­chor löst sich auf

Nach 35-jährigem Wirken in Ummendorf - Am Schluss waren es zu wenig Mitglieder

Brigitte Eichhorn-Friedrich (hinten links) hat den evangelischen Kirchenchor der Versöhnungskirche 35 Jahre lang geleitet.

Brigitte Eichhorn-Friedrich (hinten links) hat den evangelischen Kirchenchor der Versöhnungskirche 35 Jahre lang geleitet.

Ummendorf - 35 Jahre lang hat der Ummendorfer evangelische Kirchenchor Gottesdienste mitgestaltet und Konzerte gegeben. Jetzt hat sich der Chor der Versöhnungskirche aufgelöst. "Es war schwer für mich", sagt Brigitte Eichhorn-Friedrich, die den Chor 35 Jahre lang leitete.

25 Mitglieder zählte der Kirchenchor der Versöhnungskirche zu seinen besten Zeiten. Zum Schluss waren es noch 15. Als fünf Mitglieder ankündigten, den Chor zu verlassen, zeichnete sich das Ende ab. Der Chor wurde einfach zu klein. Die Sängerinnen und Sänger waren älter geworden. Mit dem Ruhestand entwickelten sich andere Alltagsplanungen, sagt Brigitte Eichhorn-Friedrich, die ehemalige Chorleiterin. "Man hat Enkel, die weiter weg sind und die man besucht, oder eine Mutter, die man pflegt", erläutert sie. So könne nicht mehr jeder regelmäßig an den Proben teilnehmen. Hinzu komme, dass auch wegen Erkrankungen Mitglieder immer wieder einmal ausfallen würden. Stimmbandreizungen könnten durchaus dazu führen, dass jemand mehrere Wochen nicht singen dürfe. Bei einem kleinen Chor, in dem die einzelnen Stimmen nur mit ganz wenigen besetzt sind, ist das ein Problem.

Viele wollen sich nicht binden

Sängernachwuchs zu gewinnen sei nicht gelungen, berichtet Brigitte Eichhorn-Friedrich. Und je älter die Stamm-Mitglieder wurden, desto unattraktiver schien der Chor für junge Sänger zu sein. "Wenn einmal jemand dazukam, blieb er nicht. Einer sagte einmal zu mir: Ich würde gerne in einem Chor singen, in dem mehr Junge dabei sind", erzählt sie. Einen weiteren Grund für die Nachwuchssorgen, die derzeit vielen Chören zu schaffen machen, sieht sie in den gesellschaftlichen Veränderungen. "Die Leute sind nicht mehr bereit, sich so zu binden", sagt Brigitte Eichhorn-Friedrich. Im Chor zu singen bedeutet jede Woche einen fixen Termin. Für Projektchöre könne man Mitglieder gewinnen, berichtet Brigitte Eichhorn-Friedrich über die Entwicklungen in der Chorlandschaft. Aber die Hoffnung, dass man auf diesem Weg Sänger für den festen Chor gewinnen könne, erfülle sich eben meist nicht.

Die soziale Funktion, die ein Chor früher hatte, besitze er heute nicht mehr in dem Maß, schildert sie eine weitere Ursache für die Nachwuchsprobleme. "Als wir unseren Chor gründeten, kam eine Landwirtin, die sonst keine große Gelegenheit hatte, aus dem Haus zu kommen", erzählt Brigitte Eichhorn-Friedrich. Damals habe der Chor die Leute aufgefangen, dort habe man Kontakt gefunden. Doch Anschluss suchen viele heute auf anderen Wegen. "Das sieht man auch am Ummendorfer Seniorennachmittag. Früher war es dort rappelvoll, man traf sich zum Reden. Heute sind es viel weniger."

Das Aus war ein Schlag

Dass sich der Chor nach so vielen Jahren auflöst, hat Brigitte Eichhorn-Friedrich getroffen. "Es war furchtbar für mich", sagt sie. Wenn sie auf das zurückblickt, was ihr Chor in den 35 Jahren geleistet hat, ist sie stolz. 2012 feierte der Chor seinen größten Erfolg mit der Aufführung der "Keltischen Messe". "Die Kirche war brechend voll", erinnert sich Brigitte Eichhorn-Friedrich. "Ein halbes Jahr später war die Aufführung immer noch Gesprächsthema." Aber nicht nur an die großen Konzerte denkt sie gerne zurück, sondern auch an die vielen Gottesdienste oder die Auftritte im Seniorenheim. "Wir hatten ein großes Repertoire", erzählt sie. Wenn sie für die Begleitung Musiker angesprochen habe, habe sie stets gehört: Danke, dass ich mitmachen darf. "Wir waren nicht schlecht", sagt sie bescheiden.

Bildunterschrift:
Brigitte Eichhorn-Friedrich (hinten links) hat den evangelischen Kirchenchor der Versöhnungskirche 35 Jahre lang geleitet.  Foto: privat