Im Pfarr­haus brennt end­lich wie­der Licht

Bonhoeffer-Gemeinde am Mittelberg hat neue Pfarrerin - Vorfreude auf inklusives Projekt

Pfarrerin Birgit Bohl (links) und Angelika Schuck vom Kirchengemeinderat freuen sich auf eine gute Zusammenarbeit und gute Nachbarschaft mit den künftigen Bewohnern vom Bonhoeffer-Haus. SZ-FOTO: TANJA BOSCH

Biberach - Ein Jahr ist es her, dass Pfarrer Edzard Albers die evangelische Bonhoeffer-Kirchengemeinde verlassen hat. Jetzt brennt im Pfarrhaus am Mittelberg endlich wieder Licht. Pfarrerin Birgit Bohl hat zum 1. April ihren Dienst als Gemeindepfarrerin begonnen und freut sich auf eine neue Herausforderung. "Ich wollte mich noch einmal beruflich verändern", sagt die 56-Jährige, die zuletzt in Frankfurt am Main lebte. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie nach Biberach gezogen und kann es kaum erwarten, bis die Sanierung der Bonhoeffer-Kirche abgeschlossen ist.

Ein Grund, warum sich Birgit Bohl ausgerechnet für Biberach entschieden hat, ist das Projekt Bonhoeffer-Haus. "Dieses besondere Inklusionsprojekt hat mich sehr gereizt, ich freue mich schon auf das Einweihungsfest am 2. Oktober", sagt die Pfarrerin. Denn dann fällt der offizielle Startschuss für das inklusive Projekt der Gesamtkirchengemeinde Biberach und dem Träger Mariaberg aus Gammertingen.

Das Bonhoeffer-Haus wird ein inklusives Unterstützungszentrum für Menschen mit Behinderung. Das Angebot soll stationäres Wohnen für 14 Menschen ebenso beinhalten wie einen Platz zur Kurzzeitunterbringung sowie neun Plätze für ambulant betreutes Wohnen. Darüber hinaus wird es im Gemeindezentrum Förder- und Betreuungsangebote und eine Beratungsstelle geben. "Es geht darum, den Bewohnern eine Lebensgemeinschaft zu bieten und selbst Teil davon zu sein", sagt Birgit Bohl. "Unser Ziel ist es, allen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und zu schauen, wie sich die Bewohner in die Gemeinde einbringen können und vor allem, was wir von ihnen lernen können."

Das neue Bonhoefferhaus steht bereits und ist fast fertig, es ist direkt gegenüber des Pfarrhauses. "Ich freue mich schon, wenn die ersten Menschen einziehen, dann sind wir hier nicht mehr so allein." Nicht mehr so allein ist auch die Bonhoeffer-Kirchengemeinde. Die freut sich über ihre neue Pfarrerin. "Wir sind sehr glücklich, dass wird endlich wieder eine Pfarrerin haben", sagt Angelika Schuck, Vorsitzende des Kirchengemeinderats. "Sie hat voller Elan hier angefangen und wir freuen uns, wenn wir unsere Gottesdienste auch endlich wieder hier in der Bonhoeffer-Kirche feiern können."

Auch Birgit Bohl fühlt sich wohl in ihrer neuen Gemeinde und in Biberach. "Wir wurden hier sehr herzlich aufgenommen und die Gegend ist unheimlich schön." Was sie und ihr Mann sehr schätzen, ist die Nähe zum Bodensee. "Wir fahren Mountainbike-Tandem, haben bereits gemeinsam die Alpen überquert und waren kürzlich am Bodensee."

Mehr Musik, mehr Kultur

Was die Pfarrerin gerne in die neue Gemeinde einbringen möchte, ist Musik. "Musik und Kultur liegen mir sehr am Herzen. Musik in Verbindung mit geistlichen Texten finde ich klasse", sagt sie. "Ich habe vor, meinen eigenen Stil in die Gemeinde zu bringen, aber natürlich möchte ich auch Bestehendes bewahren."

Ihre Lebensgrundlage ist ihr Glaube: "Von da aus geht es los", sagt Birgit Bohl. "Mein Glaube macht es mir möglich, die Welt zu lieben und mit Freude zu leben, aber auch Krisen zu überstehen." Es sei auch wunderbar, an einen Gott zu glauben, der gnädig ist, "einer, der Fehler vergibt und alle akzeptiert, wie sie sind".

Auf was die Pfarrerin hofft: wieder mehr junge Menschen in diese Tradition aufnehmen zu können. "Es ist an der Zeit, dass junge Menschen die Kirche mitentwickeln und weiter gestalten. Denn in der Weltzeit zu leben, das ist auch unser kirchlicher Auftrag."