Geistlicher Impuls: „Nur auf der Durch­rei­se"

Pfarrerin Daniela Bleher

Die großen Ferien nutzen viele für eine Auszeit und für Erholung. Für nicht wenige ist es aber auch eine Zeit, in der man Dinge tut, die während des Jahres zu kurz kommen. Dazu zählt zum Beispiel auch das Aufräumen des Kellers, das Ausmisten von alten Sachen, die man nicht mehr braucht und die alt und kaputt sind. Auch wir haben uns das als Familie für dieses Jahr vorgenommen.

Oft ist es gar nicht so leicht, sich von Dingen zu trennen: Zum Beispiel von Büchern, in die man lange nicht mehr hineingeschaut hat, von Kleidern, die man schon etliche Jahre nicht mehr getragen hat, von Küchenutensilien, die nicht wirklich nützlich sind, sondern eher nur Platz wegnehmen oder von Unterlagen, die schon längst keine Gültigkeit mehr haben. Manchmal verbinden sich mit Dingen Erinnerungen an wichtige Zeiten im Leben oder an liebe Menschen. Das alte Bett von der Großmutter, das ich eigens für die Studentenbude abgelaugt und gestrichen habe. Das Kleid, das ich für die Hochzeitsfeier eines guten Freundes gekauft habe. Von beidem kann und will ich mich nun wirklich nicht trennen.

Wenn ich meinen Blick durch unsere Wohnung schweifen lasse, dann merke ich trotz allem, dass viele Dinge herumstehen, die wir fürs Leben eigentlich gar nicht brauchen. Wie viele Dinge schaffen wir uns an, die fürs eigentliche Leben überflüssig sind?

Die Konsumgesellschaft macht es uns ja auch leicht, Dinge anzuschaffen und schnell wieder wegzuwerfen, wenn sie uns nicht mehr gefallen oder repariert werden müssten.

Eine Geschichte veranschaulicht ganz gut, wie sehr wir doch alle im Überfluss leben.

Ein Tourist macht Station in einem Kloster. Er wird freundlich aufgenommen, und man bietet ihm eine Mönchszelle als Schlafquartier an. Darin stehen nur ein Bett und ein Stuhl. Als der Tourist das sieht, fragt er überrascht: "Und wo sind Ihre Möbel?" "Wo sind denn Ihre?" erwidert der Mönch. Verwirrt antwortet der Tourist: "Ich bin ja nur auf der Durchreise." Der Mönch lächelt: "Wir auch."

Wer also wie ein Mönch lebt, der lebt bescheiden und einfach und konzentriert sich auf die geistigen und geistlichen Dinge im Leben. Er geht mit inneren Themen um und verliert sich nicht in Äußerlichkeiten. Ab und an ist es tatsächlich auch für unsereins gut, darüber nachzudenken, welche Dinge wir entbehren können. Sehr schnell merken wir dann, wie sehr Besitz die Kräfte bindet und uns aus unserer Mitte reißt. Eben dann ist der Blick frei für das, was die Seele wirklich nährt und erfüllt. Mag sein, dass beim Blick nach innen uns Gott begegnet.

Pfarrerin Daniela Bleher

Geistlicher Impuls: „Mitten ins Herz"

Pfarrerin Birgit Niedermeyer, Bonhoefferkirche Biberach an der Riss

So schnell kann es gehen. Letzte Woche kam ich aus dem Urlaub zurück. Gut erholt und fit. In Vorfreude auf den ersten Gottesdienst und dann das. Die Meldungen aus Barcelona über einen Terrorakt. Wieder viele Tote. Schon wieder dieses Morden. Schon wieder diese Gewalt. Plötzlich bleibt die Zeit stehen. Wut, Ohnmacht, Trauer, Mitgefühl beherrschen Denken und Fühlen.

Wir sind gefragt uns dazu zu verhalten. Denn die Terroristen wollen unsere Seelen. Sie wollen Hass säen und unsere Seelen vergiften.

Wir Christinnen und Christen sind gefragt uns zu verhalten. Dietrich Bonhoeffer hat immer wieder den Anspruch Gottes betont, dass wir als Christen verantwortlich handeln müssen. Was gilt es also zu tun in dieser von Gewalt und Terror bedrohten Welt?  Was können wir für Gottes Schöpfung tun?

In diesen Tagen können wir den Terroristen widerstehen. Passen wir auf unsere Seelen auf, dass sie nicht von Hass vergiftet werden. Die, die in diesen Tagen Gewalt säen sollen keine Macht über unsere Seelen bekommen. „Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gerne die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.“ So sagt es Dietrich Bonhoeffer.

Wir können uns an seine Worte halten in diesen Tagen und gegen den Hass standhalten für eine bessere Welt.Es gilt der Gewöhnung an den Tod zu widerstehen und so Gottesliebe zu leben, zu verstehen und zu verbreiten. So gut es uns eben menschlich möglich ist.

Möge dies treffen. Mitten ins Herz.
Es grüßt Sie an diesem Sommertag

Birgit Niedermeyer, Pfarrerin der Bonhoeffergemeinde Biberach

 

 

Geistlicher Impuls: „Rund um mich her …“

Evang. Schuldekan Michael Pfeiffer

 

Das Schützenfest 2017 liegt hinter uns. Dennoch: Biberachern kann angesichts der vier Worte nur das Schützenlied einfallen. Unterschiedlichste Erinnerungen und Gefühle schwingen in ihm mit. Und selbst in mir als „Ausländer“ kommt inzwischen heimatliche Stimmung auf, wenn ich das Lied höre. Doch ist nach dem Fest rings um uns her „lauter Freude“? –Gibt es das über-haupt, nur oder vor allem von Freude umgeben zu sein? - Biberacher werden jetzt evtl. antworten: „Klar, beim Schützenfest!“ Wenn nach dem Fest schon wieder vor dem Fest ist, will ich mit der Biberacher Festhymne auf die Freude achten, die wie eine Überschrift über ihr steht. Mich lädt das alte Lied zum Innehalten ein. Es fragt mich: Ist es selbstverständ-lich in dieser schönen Stadt mit all ihren guten Einrichtungen, und ihrem bür-gerschaftlichen Engagement und Netzwerk zu leben? Ist es normal, am Wohl-stand dieser Stadt teilzuhaben, wo fast alle Arbeit und ihr Auskommen haben? Ist es die Regel, in einer solch schönen Umgebung, wie wir sie haben, wohnen zu dürfen? …Die Biberacher Festhymne rückt für mich die Selbstverständlichkeit des schein-bar Selbstverständlichen in neues Licht. Denn wirkliche Freude, die in diesem Lied anklingt, ist mehr als oberflächlicher Spaß. Voller Dankbarkeit ist das Lied für alle guten Lebensbedingungen. Wie Schuppen scheint es dem Dichter Chris-toph Christian Sturm von den Augen zu fallen. Überall entdeckt er „Segen“. Statt Scheitern darf er Schönes finden. Es ist, als sei die Welt nur noch herrlich und nicht auch schrecklich. Das Geschenk guten Lebens leuchtet da auf. Und „dahinter“ erkennt der Dichter Sturm Gott: „Wohin ich seh, wohin ich trete, er-blick ich Dich, o Schöpfer, Dich …“„Was entdecke ich, wenn ich auf mich schaue?“ fragt mich das Schützenfestlied nach dem Fest. „Kann ich da das Gute sehen, das mir geschenkt ist? Oder überwiegt gerade anderes? Kann mir darin gerade Gott begegnen?“ Ob es im 18. Jahrhundert, als dies Lied entstanden ist, einfacher war, Gott mit-ten im Leben zu entdecken? – Vermutlich war es so schwer oder leicht wie heu-te. - Sicher ist es aber deutlich härter, ihn zu suchen, wenn man leidet. Denn im Leid ist Gott eher verborgen. Es sei denn, man findet ihn am Kreuz wieder.Zweifelsfrei lädt aber die Biberacher Festhymne ein, Gott zu begegnen. Denn „Rund um mich her …“ ist auch er zu entdecken. Wie gut, wenn wir Gott in der Freude finden dürfen! Ich wünsche es uns allen.Michael Pfeiffer, Evang. Schuldekan Biberach

Geistlicher Impuls: Probier's mal mit Gemütlichkeit

Pfarrer Albrecht Schmieg, Hochschulpfarrer

 

Wenn Balu der indische Bär in Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ dem kleinen Menschenkind Mogli die Lektionen über ein glückliches Leben vorsingt und tanzt, beginnt er mit den Worten: „Schau, eins ist wichtig, mein kleiner Liebling, wenn du überhaupt etwas tust, probier´s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit….“

Gemütlichkeit ist so ein schönes deutsches Wort. Es weckt eine ganze Wolke an angenehmen Bildern und Vorstellungen: Der richtige Ort, an dem ich mich Wohlfühle, Ruhe, Feierabend, keine Arbeit mehr - und wenn ich schon noch gemütlich bei der Arbeit wär, dann wenigstens keine Hektik, kein Stress. Angenehme Temperatur, Ruhe im Sinn von: kein Krach, Ruhe im Sinn von Frieden, kein Streit, etwas Gutes und ausreichend zu Essen und Trinken, gehört auch dazu, oder auch eine schöne Musik, die richtige Gesellschaft, was und wer das ist, mag sich geschmacklich unterscheiden…. Ja, das sind alles ganz konkrete irdische Vorstellungen, die aber sanftheimlich und irgendwie nahtlos ins paradiesische hinübergeleiten…

Gemütlichkeit – eine schöne urdeutsche Vorstellung. Wenn ich mich aber im Land umsehe und umfühle, dann denke ich: Einerseits wäre alles da, was man zur Gemütlichkeit bräuchte, aber nur die Gemütlichkeit selber, die sehe ich so selten. Überall ächzen die Menschen unter ihrer Arbeit: rationalisieren, Produktivität steigern, mit weniger Mitarbeitern, konzentrieren … von ganz oben bis ganz unten sind die Menschen unter Druck: in den Vorstands- und Managementsetagen muss die Rendite gesteigert, die Konkurrenz überholt werden und man darf dabei nicht die eigene Karriere aus den Augen verlieren, sonst wird man abgesägt … bis hin zu prekären Beschäftigungsverhältnissen oder Zeitarbeitsverträgen, die ständige Angst, noch schlechter dazustehen, steigende Wohnungspreise und Lebenshaltungskosten bezahlen zu können oder ganz ins soziale Netz abzusacken; und was ist mal mit der Rente? Dabei erfreut sich unsere Ökonomie höchster Vitalität. Durch die Effizienz unserer Arbeits- und Produktions- und Vermarktungsweisen üben wir den gleichen Druck aus auf die Ökonomien, die mit uns Geschäfte machen. Zuerst die europäischen Nachbarn, dann aber auch darüber hinaus. Je mehr Handel, desto mehr wird man aneinander gemessen. Und da halten manche Gesellschaften nicht mehr mit. Der stärkere macht letztlich das Geschäft.

Balu der Bär gibt in dem legendären Song noch den Ratschlag „bescheiden aber nicht gierig“ zu genießen. Im vierten Kapitel des Hebräerbriefes steht die Verheißung: „Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes. Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den seinen.“ Das ist die Erneuerung der Verheißung, die in der Sabbatruhe aus der Paradieserzählung am Anfang der Bibel steckt. Also: Fuß vom Gas. Denkt an eure Nachbarn. Mit der Gottesruhe der Bibel und der Gemütlichkeit des Bären wünsche ich gesegnete Sommertage und -nächte.

Pfarrer Albrecht Schmieg, Hochschulpfarrer Biberach

Geistlicher Impuls: "Woher soll ich wissen, was ich denk, ehe ich nicht gehört habe, was ich sage?"

Birgit Niedermeyer Pfarrerin der Bonhoeffergemeinde

Besser als nix. Sich selbst  zu hören, auch wenn die Worte bereits gesprochen sind. Es gibt die Möglichkeit nochmal zu korrigieren, zu verändern, sich möglicherweise zu entschuldigen. Oder zu wissen, das war gut so gesagt. Besser noch ist es natürlich vor dem Sprechen sorgfältig zu erwägen, abzuwägen, welche Worte man in den Mund nimmt.


Wie ich darauf komme? Nun, ich musste wieder Zeugin werden, als die Wucht der Worte eine Frau so schwer trafen, dass sie zusammenzuckte, erbleichte und völlig die Fassung verlor. Vorsatz oder nicht Vorsatz, das konnte ich nicht beurteilen. Aber ich konnte sehen, was bei dieser Frau angerichtet wurde. Eine Lappalie? Nein. Offene Gewalt. Worte haben eine ungeheure Macht. So oder so.


So lesen wir im Evangelium nach Matthäus: Nicht was zum Mund hineingeht, macht den Menschen unrein; sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein……..Was aus dem Mund kommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen`. So sieht Jesus das.


Worte können verletzen. Worte können heilen. Auch nicht gesprochene Worte, verweigerte Worte können verletzen. Ein gutes Wort zur rechten Zeit kann Balsam auf der Seele sein.
Ich bin gerne mit Menschen zusammen, bei denen ich mich sicher fühle. Bei denen ich nicht ständig mit einem verbalen Hieb rechnen muss. Ich bin gerne mit Menschen zusammen, denen das gute Wort eher zuzutrauen ist, als das zerstörerische.


Und ich selbst sitze am Ende des Tages da und höre mir zu. Wars ein Gutes oder wars ein Schlechtes? Was schickt mein Herz so in diese Welt hinaus. Ich bin nicht immer zufrieden.
Aber ich höre zu, mir und Dir und suche Worte. Denn Du bist heilig.


Birgit Niedermeyer
Pfarrerin der Bonhoeffergemeinde

Geistlicher Impuls: Kostet und seht …

Zur Zeit blüht es an allen Ecken und Enden. Es sieht aus, als wolle die Natur für das Jahr Schwung holen. Das Wachstum ist nicht aufzuhalten. Alles blüht und erscheint wieder in neuer Pracht. Das Wunder des Wachsens zeigt sich neu und ist gleichzeitig doch vertraut. Trotz oder gerade wegen der jährlichen Wiederholung können wir uns daran freuen. In den höchsten Tönen wird er Monat Mai in unzähligen Liedern besungen. Menschen gehen wieder mehr nach draußen - die Garten- und Badesaison ist eröffnet. Es zeigen sich schon Ansätzen, was sich noch erst in Fülle entfalten wird. Man kann sich bereits dessen gewiss sein, was noch vor Wochen nur zu erhoffen war. Mit dem Blick in die Natur, möchte man da nicht einfach loslaufen und etwas unternehmen?

Dieses offensichtliche Wachstum der Natur vor Augen, kann zweifellos glücklich stimmen. In einigen Monaten erfreuen uns die reifen Früchte.

Vieles was der Natur zum Wachstum verhilft, lässt auch den menschlichen Leib und die menschliche Seele reifen. Was machen aber einen guten gedeihlichen Boden fürs menschliche Leben aus? Aus meiner Sicht könnten es sein: die Familie, hilfsbereite Menschen im Ehrenamt, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz oder im Dienst, Feste, eine erfüllte Tätigkeit, Musik, Sport und Spiel, ein gut regiertes Gemeinwesen. Es lohnt sich Zeit zu nehmen, für einen „Garten des Menschlichen“. Der Ernteerfolg und die Lust an einem solchen Garten hängen dabei auch von der besonderen Bepflanzung und wie er gehegt und gepflegt wird ab. Sollen Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit gedeihen müssen diese angebaut und bewahrt werden. Es ist auch dabei mit Rückschlägen zu rechnen, das lässt sich nicht vermeiden. Doch wird Gemeinschaft richtig und gelebt, bleibt auch das Glück nicht aus. In einem Lied aus Taize klingt viel davon an. „Kostet und seht, gütig ist Gott./ Glücklich die sich bergen bei ihm./Meide das Böse, tue das Gute./ suche Frieden und jage ihm nach.“

Hans Reichenzer Diakonie Biberach

Das geistliche Wort: Im Früh­ling ist al­les leich­ter

Pfarrerin Birgit Niedermeyer


Liebe Leserin, lieber Leser,

die Sonne scheint. Früüüühling. Es ist warm. Die Lebensgeister sind geweckt. Alles wird leichter. Spüren Sie das? Auch die Sorgen werden ein wenig erträglicher.

Nächste Woche begehen wir die Karwoche. Wir werden Seiner gedenken. Jesus Christus, der lebte, starb und auferstand. Wahrer Mensch und wahrer Gott. Er wusste, wie es ist, verlassen und allein zu sein. Er kannte die tiefsten Tiefen menschlichen Lebens. Selbst den Verrat durch seine Liebsten musste er erleben.

Er antwortete nicht mit Hass, sondern mit Verzeihen. Sein Erbe, seine Hinterlassenschaft an uns. In den Dunkelheiten unseres Lebens dürfen wir ihn bei uns wissen. Er kannte das.

Und dann kam die Auferstehung: Durch ihn wissen wir, dass es sie gibt.

Die Jünger in Emmaus sahen ihn als Auferstandenen. Sie konnten ihn nur nicht erkennen, weil sie traurig und ihre Augen voller Tränen waren. Dabei spürten sie doch, wie froh sie waren, als er bei Ihnen war.

Die Zumutungen des Lebens sind durchzustehen mit dem Glauben an die Auferstehung und an neues Leben.

So ist das.

Pfarrerin Birgit Niedermeyer, Bonhoefferkirche Biberach

Geistlicher Impuls: Die aufblasbare Kirche

Diakonin Hanne Winter

Die mobile Kirche erinnert vom Aussehen an eine Hüpfburg im Kirchengewand. Sie ist aus feuerfestem Kunststoff, hat einen Turm und bunt bemalte Kirchenfenster. Klein ist sie auch nicht, denn sie lässt sich zu einer Höhe von 12m, einer Länge von 18m und einer Breite von 7m aufblasen. In ihr finden 50 aber auch 200 Leute Platz.

Ein Aprilscherz? Nein, denn es gibt sie wirklich und sie kommt auch tatsächlich zum Einsatz.
Laut dem Anbieter bekommt der Glaube durch diese aufblasbare Kirche seinen Platz auf allerlei Veranstaltungen, wie Messen, Volks – oder Straßenfesten. Kann aber auch als Bar oder Disco und somit als eine außergewöhnliche Location genutzt werden. Ihre Form gibt also die Nutzung zu religiösen Zwecken nicht vor.

Die aufblasbare Kirche ist multifunktional, kostengünstig im Unterhalt und kann dort aufgebaut werden, wo Kirche mit einem Raum präsent sein möchte oder der Privatmensch sich eine Kirche wünscht. Sie ist flexibel und hat den Vorteil, dass in ihr theoretisch alles möglich ist. So kann sie den Kirchenbesuch zu einem Event werden lassen und der privaten Feier eine religiöse Note geben. Mit ihr ist es möglich, dass in einem Hundertseelenort ein Weihnachtsgottesdienst in der Kirche stattfinden kann. Am nächsten Tag steht dann die gleiche Kirche im Garten eines Geburtstagskindes, das in ihr eine berauschende Party feiert.

Für mich hat die aufblasbare Kirche eine starke Seite, weil sie möglich macht, dass Kirche dort ihren Platz bekommt, wo das Leben der Menschen stattfindet. Nicht der Mensch muss sich zur Kirche aufmachen sondern die Kirche kommt zum Menschen. Und sie hat eine schwache Seite, weil sie keinen eigenen Charakter hat. Ihre Anpassungsfähigkeit macht sie beliebig. Die PVC - Kirche ist individuell nutzbar und damit bedarfsgerecht. Sie ist missionarisch, weil sie sich nicht versteckt sondern anbietet und ins Blickfeld rückt.  Aber sie ist genauso schnell abgebaut, wie sie aufgebaut wurde. Ihr fehlt die Verlässlichkeit der traditionellen Steinkirchen mit und in einer Nachbarschaft.

Was hat die aufblasbare Kirche mit ihren guten alten Stein- und den etwas jüngeren Betonschwestern gemeinsam? Sie wird gefüllt durch die Menschen, die sie beleben und den Geist, dem sich diese Menschen öffnen. Jeden Raum kann man zum Segen oder zum Schaden von Menschen nutzen.

Die aufblasbare Kirche rückt die Verheißung Jesu: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen (Matthäus 20,18)“ noch einmal in ein ganz anderes Licht. Ob nun aber Kirche aus Stein oder zum Aufblasen: Jede Kirche muss darauf achten, dass ihr nicht die Luft ausgeht – um das zu vermeiden sind aufblasbare Kirchen ein interessanter Weg.

Hanne Winter, Diakonin, AltenPflegeHeimSeelsorge Kirchenbezirk Biberach

Geistlicher Impuls: „Viele bunte Smart…“

Diakonin Hanne Winter

Eine der vielfältigen Aufgaben von stationären oder ambulanten Pflegediensten ist es, die wöchentlichen Tablettenboxen zu füllen. Das bunte Durcheinander in einem kleinen Fach ergibt ein lustiges Bild und trotzdem ist nichts Niedliches daran. Bedenkt man die Wirkung der Tabletten, dann kommt in den Blick, was für eine Verantwortung mit ihrer Verteilung verbunden ist. Eine Verantwortung, die mit der Fächerzuteilung der Tagesration nicht aufhört. Bei der Übergabe vom Pflegedienst an den Patienten geht die Verantwortlichkeit weiter, wird dabei aber nicht in allem erfasst.

Von den Patienten ist zu hören: „Kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder weg! Alles muss schnell, schnell gehen!“ In der Tablettenbox fehlt offensichtlich ein wichtiges Fach, nämlich das für die Tagesdosis „Begegnung“. Im Gegensatz zu einer Pille ist Ruhe und Zeit nichts, das in eine Form gegossen werden kann. Ruhe und Zeit – kostbar, aber auch schwer fassbar! Schon gar nicht auf einer Abrechnung mit den Krankenkassen. So wird dieser Teil der Verantwortung oftmals auf die individuell sehr unterschiedlichen Schultern der Pflegedienstmitarbeiter/innen gelegt.

Es wäre falsch, die Pflegedienste dafür verantwortlich zu machen, dass das Fach „Begegnung“ von ihnen bei der Verteilung der Tablettenbox nicht  gefüllt werden kann. Und es ist auch nachvollziehbar, dass nicht alle nötigen Leistungen über die Krankkassen finanziert werden können. Vielleicht würde allen am Gesundheitswesen Beteiligten weiterhelfen, wenn die Leistung „Geben“ im Bewertungssystem unserer Gesellschaft überprüft würde.

Als Hilfe bei der Definition kann 1. Mose 2, 18 dienen: „Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“ Geben als Begegnung, die aus dem Alleinsein hinaus führt und bei dem  Menschen einander zum Gegenüber werden. Mit anderen Worten - einander sehen, zuhören, miteinander streiten und füreinander sorgen. Soziales Engagement, mit dem man das eigene Leben füllt und nicht entleert.

Es muss also nicht zwangsweise zum Inhalt einer Tablettenbox werden, wenn „Begegnung als Gegenüber“ in der Nachbarschaft oder im familiären Miteinander gelebt werden kann. Aber bedenkt man, dass für einige alte Menschen die Tablettenübergabe die einzige Begegnung am Tag ist, dann wäre es eine große Chance, wenn in der Tablettenbox auch ein Fach für eine Zeit wäre, die der Zuwendung oder dem seelischen Beistand dient.

Diakonin Hanne Winter, AltenPflegeHeimSeelsorge Kirchenbezirk Biberach

Das geistliche Wort: Eine Dauerbaustelle

Eine Dauerbaustelle

Der Berliner Flughafen kommt nicht voran. Voran geht’s momentan allerhöchstens mit den internen Führungsstreitigkeiten. „Fluchhafen Berlin“, heißt es inzwischen. Oder: „Wir können alles, außer Flughafen.“ Oder in Abwandlung des Ulbricht-Spruchs: „Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu errichten.“

Spott beiseite. Bei allem Ärger und aller Häme über die nicht fertig werdende Dauerbaustelle: ich kenne eine, die noch wesentlich älter ist. Bei der gibt’s auch immer wieder Ärger und ebenso Führungsdifferenzen und muss ebenso Lehrgeld gezahlt werden. Und, ehrlich gesagt, glaub‘ ich nicht, dass die irgendwann mal fertig wird. Ich meine die Kirche. Und das liegt eigentlich schon an ihrem Bauplan. „Ecclesia semper reformanda est“ - „Kirche muss sich immer erneuern“ heißt eine theologische Faustformel, die das Wesen der Kirche erklären will. Und die macht deutlich, dass Kirche und damit auch die Menschen, die sich in ihr engagieren, kein Fertigprodukt ist. Nichts Perfektes. Und ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt, wie sehr das stimmt und wie sehr diese Geschichte immer auch eine Geschichte von Schuld und Versagen ist.


Beim Berliner Flughafenbau kommt deshalb keiner auf die Idee, mit dem Bauen aufzuhören, nur weil es kompliziert geworden ist und sich alles in die Länge zieht. Bei der Kirche soll und darf das auch nicht anders sein. Denn worum es uns Christen mit der Kirche geht, das ist einfach genial und letztendlich ohne Alternative. Für mich ist Kirche der Versuch von Menschen, die Botschaft von Jesus Christus, die Botschaft von Gottes Liebe im Alltag umzusetzen. Sie ist der Versuch, im Sinne Jesu Christi im Frieden miteinander zu leben und für soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Dass wir dabei immer wieder an uns selbst und auch an unseren Mitmenschen scheitern, macht die Kirche eben zu dem, was sie ist: eine Dauerbaustelle. Aber wer hier aufhört zu bauen, der hat resigniert. Darum: machen wir weiter, krempeln wir die Ärmel hoch im Vertrauen, dass Gott eines Tages das Bauwerk vollenden wird.

Pfarrerin Birgit Schmogro, Friedenskirche Biberach


Das geist­li­che Wort: Ein jegliches hat seine Zeit…

Pfarrerin Nicole Kaisner

Neulich stand ich beim Bäcker in der Warteschlange. Hier in Biberach ist das nicht ungewöhnlich, zumal in der Hochzeit der Fastenbrezel, die schon lange vor Aschermittwoch beginnt. Dort in der Warteschlange, die bis hinaus auf die Straße reichte, da erhielt ich notgedrungen eine Lektion in Geduld und Gelassenheit. Eigentlich hatte ich einen Termin, aber deshalb ging es nicht schneller beim Bäcker. Es gab nur zwei Möglichkeiten: geduldig warten oder auf die Fastenbrezeln verzichten.

Sieben Wochen „ohne sofort“, so lautet die Überschrift der diesjährigen Fastenaktion der evangelischen Kirche. Sich sofort entscheiden (müssen), sofort drauflosschaffen (müssen), sofort drankommen (müssen), sofort lospoltern, sofort aufgeben: Vielleicht kommt Ihnen der ein oder andere dieser inneren Antreiber bekannt vor. Die diesjährige Fastenaktion lädt uns zum Gegenteil ein. Es geht in den sieben Wochen „ohne sofort“ nicht darum vollständig auf etwas zu verzichten (also gar nichts mehr zu tun). Die Fastenaktion lädt dazu ein, Geduld und Gelassenheit neu einzuüben.

Natürlich gibt es im Beruf und im Alltag Dinge, die erledigt man besser sofort. Ein Notarzt kann vor einem Einsatz nicht erst mal zehn Minuten meditieren, bevor er aktiv wird. Diese zehn Minuten könnten Leben kosten. Aber das Smartphone nach Dienstschluss oder im Urlaub einfach mal klingeln lassen oder für eine bestimmte Zeit ausschalten, das geht. Die Welt dreht sich nicht nur um uns selbst, zum Glück.

„Ein jegliches hat seine Zeit und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“ Mit diesen Worten wird es im Buch Kohelet umschrieben. Das Entschleunigen, das bewusste Tun und Lassen, alles hat seine Zeit und seinen Ort. In meinen Ohren klingt es fast wie ein Mantra: „Ein jegliches hat seine Zeit…“ Für die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern habe ich mir diesen Vers in meinen Sinn geschrieben. Er soll mich daran erinnern achtsam(er) durch den Tag zu gehen, auch mal innezuhalten und mich zu fragen: „Ist es wirklich nötig und sinnvoll diese Arbeit genau jetzt sofort zu erledigen?“ Und ich weiß jetzt schon, wenn ich zu der Entscheidung gelange auch mal etwas zu lassen oder später zu erledigen, dann wird es vermutlich Menschen in meinem Umfeld geben, die das nicht so gelassen hinnehmen werden. Aber auch das kann eine gute Übung sein: Mit dem Unmut und Ärger des anderen selbst gelassener umzugehen.

Es gibt auch Orte, an denen das Entschleunigen und Innehalten leichter fällt als an anderen. Kirchenräume haben auf mich solch eine Wirkung. Wenn ich eine Kirche betrete, dann geschieht es ganz automatisch: Ich werde ruhiger, nehme den Raum bewusst wahr und seine besondere Atmosphäre und komme innerlich zur Ruhe, auch wenn draußen die Welt tobt. Hier finde ich die nötige Besinnung auf das Wesentliche und neue Kraft um die kommenden Aufgaben im Anschluss wieder etwas gelassener angehen zu können, denn

„Alles hat seine Zeit und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“

Pfarrerin Nicole Kaisner, Biberach

Das geist­li­che Wort: Da ist Frei­heit …!

Prtraitbild Pfarrerin Andrea Luiking

Pfarrerin Andrea Luiking der Versöhnungskirche Ummendorf Foto: Michael Luiking

Das geist­li­che Wort: Da ist Frei­heit …!

Das humorvolle Lied vom Huhn geht so: Ich lege jeden Tag ein Ei und sonntags hab ich frei! - Das Verständnis von Freiheit heute sieht so aus. Ich habe frei bedeutet: Da muss ich mal gar nichts machen. Da bin ich frei.

In diesem Jahr 2017 feiern wir 500 Jahre Reformation. Anlass für die evangelische Kirche, zu fragen: Was bedeutet es, Kirche der Freiheit zu sein? Für die Reformation und Martin Luther war Freiheit der Kern seiner Reformideen. Seine Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen" steht im Mittelpunkt bei der Aktion Baden-Württemberg liest Luther. Am 10. März wird ein Schauspieler die Schrift in Biberach interpretieren. Im Vorgespräch sagt er: "Ich finde den Text wertvoll. Aber auch sehr fremd für mich heute. Da stehen Dinge drin, die sind überholt!" Ich bin überrascht und hake nach. Er liest mir vor: "Nur wer zu Gott gehört und getauft ist, der wird selig!"

Ich muss erst mal nachdenken. Worum geht es Luther hier? Wer nur sich selbst gehört und nur sich sieht, der ist nicht frei. Er ist gefangen in seinem eigenen Denken und Urteilen. Um davon frei zu werden, braucht es etwas, das innerlich weit macht. Für Luther zeigt das die Taufe. Für ihn bedeutet das: Wenn du immer mehr auf Gott bezogen lebst, dann wächst deine innere Freiheit.

Ich merke im Gespräch, dass es nicht leicht ist, Worte zu finden für die innere Verbindung zu Gott. Da hilft mir mein Gesprächspartner weiter und beschreibt es aus seiner Sicht: Ich bin geliebt, weil es mich gibt. Das befreit mich aus der Einsamkeit und aus Selbstzweifeln.

Ich merke, das bringt es auch für mich auf den Punkt: Dass ich existiere, hat seinen Grund in Gott. Er möchte, dass es mich gibt. Dazu muss ich nichts Besonderes tun.

Ich merke, das bringt es auch für mich auf den Punkt: Dass ich existiere, hat seinen Grund in Gott. Er möchte, dass es mich gibt. Dazu muss ich nichts Besonderes tun.

Mir fällt meine Hochzeit ein. An dem Tag überkam mich ein großes Gefühl von Glück. Ich spürte das Vertrauen zu meinem Mann. In der sicheren Verbindung merkte ich, wie ich manche Unsicherheit loslassen konnte. Auf Hochzeitsfotos sieht man, wie ich befreit strahle. Das öffentliche Ja zueinander ist eine verdichtete Situation. Sie kann uns eine Ahnung geben, was Verbundenheit in uns freisetzen kann. In den verschiedenen Phasen einer Ehe kann das dann wachsen. Sich entfernen und wieder finden gehört dazu.

Luther vergleicht die Beziehung zu Gott mit Braut und Bräutigam. Jesus Christus heiratet dein Inneres, deine Seele. Dadurch wirst du immer mehr frei von inneren und äußeren Urteilen. Auch frei, um zu handeln. Jetzt kannst du das tun, was wichtig ist. Innerlich unabhängig Verantwortung in der Welt und in Beziehungen wahrnehmen. Im 1. Korintherbrief Kapitel 9, 16 heißt das: Ich bin frei in allen Dingen und habe mich eines jedermanns Knecht gemacht.

Echte Freiheit, meint Luther, zeigt sich im Tun füreinander. Sie wächst von innen.

Diese Freiheit wünsche ich auch Ihnen, nicht nur an diesem Sonntag!

Schwäbische Zeitung vom 18.02.17
Pfarrerin Andrea Luiking, Versöhnungskirche Ummendorf